Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "Spaniel" von
Rosmarie Wild, den wir mit grosszügiger Erlaubnis von der
Müller Rüschlikon AG publizieren dürfen.

Spaniel - Woher kommt dieser Name?
Lange Zeit wurde von den Spanielliebhabern angenommen,
dass der Name Spaniel auf Spanien hinweise,
auf einen aus Spanien stammenden Hund. Edward Plantagenet,
der Zweite Duke of York, der den Titel Master of Game
(Wildmeister) führt, beschreibt im 14. Jahrhundert in seinem
Buch über die damaligen Jagdhunde eine aus Spanien stammende
Art, die von dort auch nach England gekommen sei. Weitere
Hinweise auf Spanien liefert das Livre de Chasse oder
Mirroir de Phoebus des Gaston de Foix, der in
der Nähe der spanischen Grenze lebte und der beschreibt, wie
damals eine Art von Spaniels abgerichtet wurde, vor dem
ausgemachten Wild zu verharren (chiens couchant) bis das
Netz behutsam über die Vögel und die Hunde gezogen werden
konnte, und die andere Art Spaniel, die das Wild in die
Netze der Vogeljäger trieben. Er nennt sie:
"Chien d’ysel" oder "espainholz".
Dr. Johannes Caius erwähnt in seinem bekannten
Werk Of English Dogs, entstanden um 1570, Hunde, die
das Wild aufstöberten, als "Setter", welche Wild an Land
finden und den "Aquaiticus" oder "Spaniel", welcher Wild im
Wasser findet. Er beschreibt weiter, dass das gewöhnliche
Volk alle diese Hunde generell "Spaniel" nennt und dass sie
ursprünglich aus Spanien stammten.
Dr. h.c. H. Räber im Schweizer Hundesport 1983
bezweifelt die Spanienlegende und beschreibt die Entwicklung
der Stöberhunde, die auf dem Kontinent und in
Grossbritannien vorkamen. In die gleiche Richtung führt uns
schliesslich Dr. P. Beyersdorf in seinem umfassenden
Buch Spaniel, wenn er den keltischen Ausdruck "spain"
in der Uebersetzung für "Kaninchen" als möglichen Ursprung
betrachtet.
Ursprung und Entwicklung
Über die Ursprungsgeschichte des Spaniel gibt es viele
Thesen und Ansichten. Ausgrabungen und Felszeichnungen
weisen darauf hin, dass schon vor 10’000 und mehr Jahren
spanielähnliche Hunde auf unserem Kontinent existiert haben
müssen.
In der gängigen Literatur über den Spaniel wird als erste
schriftliche Quelle in den Jagdgeschichten des Herzogs
Pwyll of Dyfed aus Wales von den jagenden Hunden von
weisser Farbe mit roten Behängen erzählt. Eine Aehnlichkeit
mit dem Welsh Springer Spaniel ist offensichtlich.
Arthur Wardle, R.I., R.B.C.P.S. Field
Spaniels of the Twentieth Century, 1906
Die damalige Form der Jagd hatte sich von der reinen
Hetzjagd langsam zur Falknerei hin entwickelt und war mit
dem "Beizvogel", dem Falken oder dem Habicht, der das von
einem Hund, einem Stöberhund, aufgescheuchte Flugwild
schlug, verfeinert worden.Auch ausserhalb Grossbritanniens
war die Falkenjagd sehr verbreitet, die Hunde hiessen damals
"Vogelhund" oder "Habichtshund" - diese Bezeichnung wird im
Gesetzbuch des Dagobert des II. aus der
Merowingerdynastie erwähnt.
"Zuverlässig, aktiv, lebhaft, vergnügt" - so wird der
Spaniel von Dr. Caius beschrieben.
Ein ähnliches Bild zeichnet Bewick in
seiner History of Quadrupets: "Fröhlich, lebhaft -
ein unerschrockener, unwiderstehlicher, passionierter
Verfolger des Wildes und expertenhaft im Aufstöbern von
Wald- und Sumpfschnepfen aus ihren Schlupfwinkeln in den
dichtbewachsenen Wäldern und Marschen."
Und schliesslich zitiert Dorothy Morland-Hopper
"Richard Surflet" einen Weidmann des 17. Jahrhunderts:
"Der Spaniel ist sanfter und höflicher als jeder andere Hund
dem Menschen gegenüber. Er ist ausdauernd in der
Revierarbeit, Trieb umTrieb mitgehend, mit der unermüdlich
wedelnden Rute und einer geschäftigen,eifrigen Nase, mit nie
nachlassender Passion und Wonne von morgen früh bis abends
spät."
Auch in der bildenden Kunst sind auf vielen bekannten
Gemälden spanielartige Hunde festgehalten, so bei Van
Dyck, Rubens, Rembrandt und Breughel, aber auch
bei italienischen, deutschen und vor allem englischen
Malern.
Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts nahm die
Hundezucht in England eine rasante Entwicklung. Die erste
Hundeausstellung fand 1859 in Newcastle-upon-Tyne
statt. 1873 ist das Gründungsjahr des Kennel Club,
sein erster Zuchtband erschien und das erste
Ausstellungsreglement entstand. Die Spaniels wurden je nach
Grösse in solche über 25 lb (engl. Gewicht) und solche unter
25 lb registriert, obwohl man sieben Spaniel-Varietäten
kannte: Clumbers, Fields, Sussex, Cocker, English- und Welsh
Springer und Irish Water Spaniel. Erst mit der Gründung der
verschiedenen Rasseclubs und dem Erstellen der Standards
anfangs unseres Jahrhunderts begann die Reinzucht der sieben
Spanielrassen.Eine Ausnahme bildete die achte Rasse, der
American Cocker Spaniel , die ja aus dem ursprünglichen
Englischen Cocker Spaniel in Amerika mit immer
üppigerem Haarkleid herausgezüchtet und mit einem, 1943 vom
American Kennel Club und 1946 vom Englischen
Kennel Club registrierten Standard als eigene Rasse
anerkannt wurde.
Richard Ramsay Reinagle. Water
Spaniel, 1815
Die Spaniels in der Schweiz
Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts begannen sich die
kynologisch Interessierten, wie in England, auch in der
Schweiz, Deutschland und Oesterreich, zusammenzuschliessen
und es entstanden Clubs und andere kynologischen
Institutionen.
Die Spaniels waren zu der Zeit beliebte und bekannte
Jagdgebrauchshunde und Begleiter und es entstand im Laufe
der Jahre in den drei Ländern ein reges Zuchtgeschehen. Der
Cocker Spaniel und der Springer Spaniel waren dabei die
bevorzugten Rassen und sind es bis heute geblieben.
Im ersten Band der Schweizerischen Kynologischen
Gesellschaft, der 1884 erschienen ist, sind drei Norfolk
Spaniels eingetragen. Die Cocker Spaniels, Importe aus
England, wurden 1866 im zweiten Band registriert. Im Band VI
tauchen neben Cocker Spaniels ein Sussex - und ein
Fieldspaniel auf. Ein Clumber erscheint in Band V und der
erste Springer in Band VIII.
1921 wurde aus der Landesgruppe des Jagdspaniel Klub
e.V. (Deutschland) der Schweizer Jagdspaniel-Klub
gegründet. Einige Zeit später wurde sein Name in Spaniel
Club der Schweiz geändert.
Bis in die 50er Jahre war bei uns, wie schon an anderer
Stelle erwähnt, der Englische Cocker Spaniel die bekannteste
Spanielrasse. Auch den Englischen Springer Spaniel kannte
man, aber er blieb im Gegensatz zum populären "Cocker" immer
in der Minderheit. Die anderen Spanielrassen traten über all
die Jahre eher selten auf. Das änderte sich in den letzten
zwanzig Jahren. Die Hundezucht hat in dieser Zeit einen
enormen Aufschwung genommen - viele Gebrauchshunderassen
mussten durch unsere veränderte Lebensweise andere Aufgaben
übernehmen - der Familienhund nahm immer mehr an Bedeutung
zu.